Immer mehr Menschen klagen über Schlafprobleme, und darunter leidet nicht nur das seelische Wohlbefinden. Psychologen zufolge bringt chronischer Schlafmangel auch unseren Energiehaushalt aus der Balance.

Aus: Gehirn&Geist, November 2011

Die Zahl Übergewichtiger steigt in den Industrienationen stetig an; gleichzeitig leiden immer mehr Menschen an Schlafstörungen. Dieser statistische Zusammenhang ist kein Zufall, berichtet das Wissenschaftsmagazin Gehirn&Geist in seiner aktuellen Ausgabe (11/2011). Denn laut neuen Erkenntnissen aus dem Schlaflabor beeinflusst Schlafmangel unmittelbar unsere Essgewohnheiten.

So bemerkten etwa die Ernährungswissenschaftler Peter Jones und seine Kollegen von der University of Manitoba in Winnipeg (Kanada), dass Probanden, nachdem sie über mehrere Nächte nur vier Stunden geschlafen hatten, deutlich mehr Kalorien zu sich nahmen als nach erholsamer Nachtruhe. Wie die Gruppe von Eve van Cauter von der University of Chicago feststellte, reagiert auch der Blutzuckerspiegel empfindlich auf Änderungen in Qualität und Dauer des Nachtschlafs: Nach Schlafentzug schüttet der Körper weniger Insulin aus, jenes Hormon, das dafür sorgt, dass Glukose aus dem Blut in die Leber, die Muskeln und das Fettgewebe transportiert wird.

Ganz praktische Auswirkungen scheint das Wechselspiel zwischen Schlummern und Schlemmen für all jene zu haben, die überschüssige Pfunde loswerden wollen. Denn ausreichend Schlaf kann den Erfolg einer Diät deutlich erhöhen, wie das Team von Arlet Nedeltcheva, ebenfalls von der University of Chicago, 2010 herausfand.

Die Ursachen von Schlafstörungen sind vielfältig. Stress und psychische Anspannung, Schmerzen auf Grund körperlicher Erkrankungen aber auch psychische Störungen oder die Einnahme von Medikamenten können Menschen um den Schlaf bringen. Manche Betroffene leiden unter einer nächtlichen Übererregung – sie kommen einfach nicht zur Ruhe. Laut den Psychologen Kai Spiegelhalder und Dieter Riemann von der Universitätsklinik Freiburg geht dieses Hyperarousal auch mit physiologischen und strukturellen Veränderungen im Gehirn einher.

Für all jene, die nachts nicht "abschalten" können, empfiehlt Michael Schredl, Leiter des Schlaflabors des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit in Mannheim, ein spezielles Schlaftraining. Ziel dieser Therapie ist es, die eigenen Gedanken entspannt zu beobachten. Das helfe oft dabei, nicht in die Grübelfalle zu tappen.